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Messebranche droht das Ende

Die Corana-Krise hat der Veranstaltungsbranche und somit auch den Messeveranstaltern weltweit stark zugesetzt.

Wels-Report verschaffte sich einen ersten Eindruck über den Zustand der Messelandschaft in Wels, OÖ und darüber hinaus. Seit März dieses Jahres leiden die Veranstalter unter den Folgen der Corona-Krise, belastet von Personalabbau oder Kurzarbeit und besonders unter aktuell wieder verschärften Auflagen für Veranstaltungen.

Großveranstaltungen, welche bisher noch optimistisch zur Jahresmitte geplant wurden, finden durchwegs meist erst in den kommenden Jahren statt oder entfallen für 2020. Die im Herbst geplanten Volksfeste entfallen generell, wie auch die großen Herbstmessen in Wien, Wels, Ried, Graz. Beispielsweise verschob die Freistädter Messeleitung die für Mitte August geplanten Großveranstaltungen „Mühlviertler Wiesn“ sowie das “Frühlingsfest des Schlagers” oder die Erlebnismesse „Tiere und Landtechnik“ auf 2021.

Das alles schmerzt, weil zusätzlich noch das 800-Jahr-Jubiläum der Messestadt Freistadt, das einen spannenden Bogen von der traditionellen Landwirtschaft in die Zukunft zeigt, erst im August 2021 umsetzbar wird. Sonderbarerweise soll von einem Welser Privatveranstalter die Mühlviertler Baumesse in Freistadt organisiert werden und im Frühjahr 2021 stattfinden.

Wie man in der Branche munkelt, zeigen sich die Aussteller dagegen skeptisch, ob der Messestandort Freistadt auch für eine Baumesse geeignet ist. Ist doch Wels als Standort für die Energiesparmesse das eigentliche Highlight im In- und Ausland für die Baubranche. Das belegen die Besucherzahlen dieser international gut eingeführten Fachmesse. Für das Einzugsgebiet Wels bringt diese auch einen beträchtlichen wirtschaftlichen Nutzen.

Ebenso wurde aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen zur COVID-19 Prävention das für 16. bis 20. September geplante Innviertler Oktoberfest der Messe Ried abgesagt und die MUSIC Austria auf 2021 verschoben. Österreichweit mussten weiters folgende aktuelle Veranstaltungen abgesagt werden: Reed Exhibitions Salzburg: Feuer & Rauch vom 2. bis 30. August. Die Messe Dornbirn ‚stornierte‘ bisher die drei Eigenmessen SCHAU!, TECH.CON und ART BODENSEE.

In Folge entwickelten die Dornbirner mit den lokalen Behörden ein hervorragendes Präventionskonzept zu Covid-19, welches die kommende 72. Herbstmesse im September, die danach folgende ‚Gustav‘ (Salon für außergwöhnliche Design- und Genusskultur) sowie die Hochzeitsmesse ‚Ach du liebe Zeit‘ möglich macht.

Dennoch ist man sich auch in Vorarlberg darüber klar, dass Volksfeste jetzt gar nicht durchführbar sind oder etwa größere Konzerte wie das der bereits abgesagten „Toten Hosn“ am Grazer Messegelände. Der Messekalender in Wien zeigt, dass im August auch die AniNite, jener fixer Treffpunkt für Fans der japanischen Jugend- und Popkultur, abgesagt werden musste. Die Messe Wieselburg stornierte ebenfalls bereits das für Anfang September geplante „European Street Food Festival“.

Es gibt nun auch andere strukturelle Auswirkungen der Corona-Krise. So will sich der in Österreich größte Messeunternehmer, die ‚Reed Exhibitions‘, in Übereinstimmung mit der Londoner Zentrale zukünftig auf größere Messen wie z.B. “Alles für den Gast”, die “Hohe Jagd & Fischerei”, “Wohnen & Interieur”, die Bau-Messen in Wien und Salzburg fokussieren. Man munkelt, dass sie auch schon Interesse an den Welser Messen gezeigt haben. Kleinere Messen will die „Reed“ ab 2021 eher in Lizenz vergeben. So wird die neugegründete Austrian Exhibition Experts GmbH vorerst für 4 Jahre neun Messen übernehmen. Auch die Fachmesse “creative Salzburg” wird vom Langzeitpartner Messezentrum Salzburg auf Lizenzbasis übernommen.

Österreichweit sagte man schon bis April insgesamt 35 Messen mit über 6.000 Ausstellerfirmen sowie 120 Gastveranstaltungen ab. Für Österreichs Messen bewirkt die Corona-Misere, „dass die komplette Geschäftsgrundlage fehlt“, tönt es aus der Messeleitung in Dornbirn und „Das Messegeschäft lebt vom persönlichen Kontakt zwischen Aussteller und Kunde und von einer Handschlagqualität. Damit fehlt Messeveranstaltern und Ausstellern das Geschäft.“

Wir stellten dem Welser Messepräsidenten Hermann Wimmer, MBA einige Fragen zur Situation:


Wie sieht aus ihrer Sicht die derzeitige Situation in der Messelandschaft in Wels, OÖ und österreichweit aus?

Messepräsident: Es ist sehr schwierig, es fehlt eine gewisse Rechtssicherheit, weil man gerade aufgrund der steigenden Corona-Zahlen nicht genau weiß, wann von der Regierung welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt mit welcher Dauer getroffen werden. Das heißt, die Situation ist alles andere als rosig zurzeit.

Wie sieht das bei Agraria, Classic Austria und Blühendes Gartenfest, Pferdemesse aus?

Messeperäsident: Die Agraria haben wir bereits verschoben auf das Jahr 2022. Die Classic, das Blühende Gartenfest und die Pferdemesse laufen als kleinere Veranstaltungen und sind noch in Planung. Aber auch hier wissen wir nicht, wie die Entscheidungen auf politischer Ebene in naher Zukunft fallen werden. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, diese Veranstaltungen werden stattfinden.

Gibt es Chancen für ein Volksfest light?

Messepräsident: Wir sind gerüstet, haben die Planung fertig, allerdings brauchen wir natürlich eine behördliche Bewilligung dazu. Wie ich von der Behörde höre, lässt die momentane Rechtslage wahrscheinlich diese Veranstaltung nicht zu. Aber das wird jetzt vom Magistrat im Detail geprüft. Wir warten auf die Entscheidung.

Wie kurzfristig kann man im Messebereich planen?

Messepräsident: Also im Messebereich sind es mindestens drei Monate. Das ist absolut eine knappe Planungszeit. Für ein Volksfest Light werden das nicht drei Monate sein, sondern vielleicht zwei oder eineinhalb Monate. Aber das ist alles schon sehr knapp.

Gibt es eine Corona-Krisenkonferenz der Messe-Veranstalter oder wird es eine solche geben?

Messepräsident: Es gibt einen Dachverband der Österreichischen Messeveranstalter. Wir sind dort vertreten durch unseren Geschäftsführer Mag. Schneider. Da gibt es regelmäßig Abstimmungsgespräche aber auch gemeinsame Gespräche mit den zuständigen Bundesministerien.

Danke für das Interview, wir wünschen der Messezukunft die besten Lösungen.

Fotocredit: Messe Wels

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